“Ist es eine Tatsache – oder habe ich es geträumt – dass die Welt der Materie durch die Mittel der Elektrizität zu einem großen Nervenstrang wurde, der über tausende Meilen in einem atemlosen Augenblick vibriert? Der runde Globus ist ein riesiger Kopf, ein Gehirn, ein Instinkt mit Intelligenz! Oder sollten wir sagen, er ist selbst bloß ein Gedanke, nichts als ein Gedanke, und nicht die Substanz für die wir ihn hielten.” Nathaniel Hawthorne amerikanischer Schriftsteller (1804-1864) [*]
Als Hawthorne das schrieb, begann Amerika gerade mit dem Aufbau des Telegrafennetzes. Ein Quantensprung, der die Phantasien beflügelte, wie keine andere Technik zuvor. War man es doch seit Jahrtausenden gewohnt, dass sich Informationen nicht schneller bewegten, als mit der Geschwindigkeit eines Pferdes.
Es sollte noch hundert Jahre dauern, bis Marshall McLuhan den Begriff des globalen Dorfes prägte:
“Today, after more than a century of electric technology, we have extended our central nervous system itself in a global embrace, abolishing both space and time as far as our planet is concerned. Rapidly, we approach the final phase of the extensions of man – the technological simulation of consciousness, when the creative process of knowing will be collectively and corporately extended to the whole of human society.” [*]
Bei der Geburt besitzt der Mensch bereits alle Gehirnzellen, die er jemals haben wird. Im Verlauf seines Lebens kommt nicht eine einzige Zelle hinzu. Es sieht so aus, als wäre die Kapazität des Gehirns bereits auf Lebenszeit festgeschrieben. Aber dann, in den ersten Lebensjahren, passiert etwas Faszinierendes. Die Zellen verbinden sich. Erst durch die Verbindung der Zellen entsteht das, was wir Intelligenz nennen. Es ist die Vernetzung, nicht die Anzahl der Zellen, die für die Leistungsfähigkeit des Gehirns entscheidend ist. Das Aufbauen neuer Verbindungen, entspricht der Fähigkeit neue Eindrücke zu verarbeiten. Wir lernen. Ständig entstehen neue Verbindungen. Oft Genutzte verstärken sich, Ungenutzte bauen sich wieder ab. Gerade in den ersten Lebensjahren ist die Dynamik dieser Vorgänge besonders ausgeprägt. Doch sie kommt nie zum Erliegen. Jede Gehirnzelle eines Neugeborenen ist mit etwa 1000 anderen Zellen verbunden. Bei einem Erwachsenen sind es bis zu einer Viertelmillion. Die Verbindungen unterliegen keiner erkennbaren Ordnung. Sie sind nicht hierarchisch oder folgen einer festen Struktur. Sie entstehen spontan und chaotisch. In diesem scheinbaren Chaos sind sie in der Lage, diese unglaubliche Intelligenz des menschlichen Gehirns zu formen, wieder und wieder.
“Es ist nicht die Menge an Wissen, die ein Gehirn ausmacht. Es ist nicht einmal die Verteilung von Wissen. Es ist die Vernetzung.” James Gleick [*]
Es sieht so aus, als hat die Welt gerade erst so richtig begonnen, sich zu vernetzen und möglicherweise sind wir ihre Gehirnzellen.